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Anders bauen

Einblick in die modulare Holzbauweise gibt die Ausstellung „Holz Modul Bau“ im Werkraumhaus Bregenzerwald

Das Hotel Post Bezau über mehrere Monate hinweg zur Baustelle zu erklären, war für Susanne Kaufmann kaum vorstellbar – bei einem ganzjährig geöffneten Hotel. Der Zubau musste also rasch abgewickelt werden. Architekt und Bruder Oskar Leo Kaufmann hatte eine Idee und entwarf 1997 einen Bau aus vorgefertigten Modulen. Über eine Dekade später prägt diese Bauweise die aktuelle Architektursprache. Der Werkraum Bregenzerwald widmet ihr nun die Ausstellung „Holz Modul Bau“.

Tradition. Der Bregenzerwald ist bereits seit dem Barock für seine herausragenden HandwerkerInnen bekannt. Speziell die Zunft der Zimmerleute und Tischler. Noch heute liefern traditionelle Holzbautechniken Ideen und Inspirationen für moderne Bauten und Objekte. Auch die Architektenfamilie Kaufmann hat ihre Wurzeln im Zimmerergewerbe, welche sich zum Beispiel beim Anblick der beeindruckenden Holzkonstruktion der Tennishalle im Hotel Post Bezau zeigt. Architekt Leopold Kaufmann war damit Ende der 1980er-Jahre bereits seiner Zeit voraus. Aus städteplanerischen Überlegungen verlegte er die Halle zu zwei Drittel unter die Erde und ließ sich bei der Konstruktion des Daches vom Brückenbau inspirieren. Das Resultat ist ein Gewölbe bestehend aus geleimten Bogenbindern mit einer Spannweite von 36 Metern und ein Netz aus horizontalen Deckenbalken. Die Akustik und das Raumklima begeistern unsere tennisspielenden Gäste immer wieder aufs Neue.

Moderne. Als Susanne und ihr Bruder und Architekt Oskar Leo Kaufmann sich 1997 Gedanken über die Erweiterung des Hotels machten, kam eigentlich nur eine modulare Bauweise in Frage, um eine sehr kurze Bauzeit halten zu können. Es wurde schließlich ein Bau mit fünf Modulen, die komplett, bis auf die Inneneinrichtung, vorgefertigt wurden und selbsttragend sind. Die Konstruktion besteht aus Holzstehern die mit OSB-Platten beziehungsweise Gipskartonwänden verkleidet sind. In den Zwischenwänden befinden sich die Installationen. Böden und Möbel sind aus Holz und von HandwerkerInnen der Region gefertigt. Die gesamte Montagezeit vor Ort betrug zwei Tage. Und zeigte bereits damals das Potential des Modulbaus. Der Einsatz von nachhaltigen Materialien, die detaillierte Vorfertigung und die kurze Montagedauer vor Ort lassen die Ökobilanz von Modulbauten beinahe unschlagbar werden, egal ob private Häuser, Tourismusbauten oder Industriehallen errichtet werden.

Der Werkraum Bregenzerwald widmet nun der Entwicklung dieser Bauweise und ihrer Potentiale eine Ausstellung, die von einer Fachtagung am 18. März 2016 begleitet wird. Die Ausstellung selbst ist ein einem Modul in Transportgröße untergebracht und zeigt neben der chronologischen Entwicklung eine Reihe von Architekturbeispielen und gibt Einblick in den Fertigungsprozess.

Ausstellung „Holz Modul Bau“
Werkraumhaus Bregenzerwald
6. Februar – 28. Mai 2016
DI – SA 10-18 Uhr
www.werkraum.at


KW35_handwerk+form-2015

Handwerk+Form 2015

Ein gestalterischer Wettbewerb und eine Ausstellung der besonderen Art in und um Andelsbuch

Für Handwerk+Form 2015 arbeiten Bregenzerwälder HandwerkerInnen gemeinsam mit internationalen ArchitektInnen und DesignerInnen an Werkstücken – es vereinen sich Handwerk und Form. Der inzwischen international angesehene Gestaltungswettbewerb wird im Dreijahresrhythmus ausgetragen und findet heuer zum siebten Mal statt. Alle eingereichten Werkstücke sind in einer einzigartigen Ausstellung in der Bregenzerwälder Gemeinde Andelsbuch zu sehen. Erleben Sie dort Handwerk und Form in ehemaligen Werkstätten, original Bregenzerwälder Häusern, Sägewerken und Schmieden. Die Preise werden am 9. Oktober 2015 vergeben, die Ausstellung der Einreichungen ist am 10.+11. Oktober sowie von 15. bis 18. Oktober 2015 jeweils von 10-18 Uhr geöffnet. http://werkraum.at/handwerk-form/handwerk-form-2015/

Impulse. 1991 entstand im Handwerkerverein Andelsbuch die Idee, einen Wettbewerb zu konzipieren, der das Wissen der Bregenzerwälder HandwerkerInnen mit den ästhetischen Entwürfen von ArchitektInnen, DesignerInnen und GestalterInnen zusammenführt. Dabei entstehen Objekte, Einrichtungsgegenstände und Detaillösungen zu Gebäuden und Häusern wie auch langjährige Kooperationen und Partnerschaften. Eine Fachjury bewertet und prämiert die Einreichungen nach den Grundsätzen von Material, Form und Funktion im alltagstauglichen Kontext. Der Wettbewerb Handwerk+Form fungiert inzwischen als wichtiger Implusgeber für Innovationen in Bau- und Wohnkultur. 

Wahrnehmung. Seit zwei Jahren ist das ganzjährig geöffnete Werkraumhaus in Andelsbuch Ausgangspunkt des Ausstellungsrundgangs. Dieses Jahr werden insgesamt 122 Einreichungen zu sehen sein – ein neuer Rekord. Die als Dorfrundgang durch Andelsbuch konzipierte Ausstellung führt Sie in alte Stadel, renovierte Scheunen, aufgelassene Metzgereien, die alte Säge und original Bregenzerwälder Häuser. Gleich hinter dem Werkraumhaus ist heuer ausser Konkurrenz das „Zwei-Zimmer-Hotel-auf-Zeit“ zu sehen. Es entstand im Rahmen der Summer School arts&crafts, einer Kooperation des Werkraum Bregenzerwald, seinen HandwerkerInnen und 15 internationalen ArchitekturstudentInnen der Uni Liechtenstein. Hier wurde der Austausch zwischen HandwerkerInnen und ArchitektInnen zu einem Ausbildungsformat.

Unser Tip: Lassen Sie sich die Ausstellung keinesfalls entgehen! Einen ersten Vorgeschmack auf die aussergewöhnlichen Handwerkskünste bekommen Sie bereits bei uns im Hotel Post Bezau. Für die Gestaltung des Hotels zeichnen Leopold und Oskar Leo Kaufmann verantwortlich. Die Ausführungen wurden größtenteils von Werkraum-HandwerkerInnen geschaffen.

 


The Art of Re-Creation

Eine Betrachtung zeitgenössischer Hotels in Schweden und Österreich im Wiener 21er Haus

KW26_Ö-SWE2Das Denken über die Freizeit und dessen vielfältige Manifestationen stehen im Zentrum der Ausstellung „The Art of Re-Creation in Sweden / Austria 2014“. Gezeigt wird sie in einem eigens erbauten Pavillon im Tiefhof des 21er Haus in Wien. Der Pavillon resultiert aus einem selbstorganisierten Prozess und ist Skulptur und Experiment zugleich.  Anhand von einzigartigen und aussergewöhnlichen Merkmalen von zeitgenössischen Hotels in Schweden und Österreich wird aktuellen Tendenzen in der Tourismuskultur nachgegangen. Darunter auch das Hotel Post Bezau.

Die gezeigten Projekte sind in aufblasbare Würfel eingebaut, die gleichzeitig zum Verweilen einladen.  In Kombination mit dem Pavillon entsteht so ein Ort des Aufenthaltes im Außenraum des Museums, der die Besucher zu entspannter Benutzung und Erkundung einlädt.

Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet, welche architekturinteressierten Leserinnen und Leser Einblick in aktuelle Trends in Tourismus, Hotelbau und Freizeitgestaltung gibt. Das Format mach KW26_Ö-SWEStimmungen erfahrbar und erschließt zugrunde liegende Konzepte. Nebst einer umfangreichen Dokumentation der, von einer internationalen Jury ausgewählten, Projekte in Form von großformatigen Fotografien führen Texte tiefer in die Materie und schaffen weitere Zusammenhänge.

Die Ausstellung ist bis zum 28. September 2015 im 21er Haus in Wien zu sehen.

Details: http://www.21erhaus.at/de/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen/the-art-of-recreation-e175784


Ich nehm‘ den nächsten Bus!

Warum man in Krumbach gerne einen Bus verpasst

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Warten nach Smiljan Radic. Foto: kulturkrumbach

Das kleine Dorf Krumbach im Bregenzerwald ist ein bescheidenes Dorf. Doch wie so oft im Bregenzerwald, tut sich genau in den kleinsten Dörfern Großes. Die krumbacher Kulturinitiative kulturkrumbach hat sieben international bekannte Architekturbüros eingeladen, Buswartehäuschen zu entwerfen und mit lokalen Handwerksbetrieben zu fertigen. Mit 1. Mai 2014 wurde das Projekt eröffnet. Nehmen Sie doch einfach den nächsten Bus nach Krumbach und verpassen Sie den ersten für die Rückfahrt. Das Warten lohnt sich!

Alltagsbauten. Die Initiatoren sehen das Buswartehaus als Gegenentwurf zur steigenden Gier nach Großprojekten. Dietmar Steiner, Leiter des Architekturinstituts Wien, wurde mit der Einladung der ArchitektInnen beauftragt. Sein Auswahlkritierium: Nicht der Bekanntheitsgrad sondern das Gespür für das Bildhauerische. Die Ergebnisse sind einmalig.

Botschaften. Die Bauernstube hat Smiljan Radic aus Chile inspiriert. Wände aus Glas, Decke aus Holz, zwei bäuerliche Holzsessel. Und auf dem Dach lädt ein Vogelhaus zum Warten ein. RintalaEggertsson Architects aus Norwegen haben es mehr mit dem Tennisplatz nebenan und verwandelten das Obergeschoss des Häuschen einfach in eine funktionelle Tribüne. Nicht fehlen darf natürlich die Schindelfassade. Die Alpenpässe auf dem Weg von der Mailänder Möbelmesse nach Krumbach inspirierte das Trio de Vylder, Vinck und Taillieu: Dreieckige, lackierte Stahlflächen, also ein pyramidaler Berg liefern dem Wartenden Schutz. Eine archaische Festung in Form eines Turmes hat Alexander Brodsky gebaut. Dessen unterer Teil ist dreiseitig verglast und mit Tisch und Bank möbliert. Geschichtete unbehandelte Bretter formen das Warthäuschen des Spanischen Ensamble Studio und erinnern an die unzähligen Holzstapel der Handwerksbetriebe im Bregenzerwald. Freie Sicht auf die Landschaft und die Straße gewährt Amateur Architecture Studio aus China. Ähnlich dem Blick durch eine camera obscura entsteht ein konischer Raum, der den Blick auf die Berge rahmt. Sou Fujimoto aus Japan setzt auf dünne Stahl- und Holzstangen, verbindet einzelne davon mit Holzbrettern und lässt so eine Wendeltreppe, die zu einer einmaligen Aussicht in den Bregenzerwald führt, entstehen.

In Krumbach lohnt sich also das Warten!

Details zum Projekt: http://www.kulturkrumbach.at/#!fotos-vom-bau/cjpu


In neuem Glanz

Noch bis 21.6.2014: RundUmSanierung – eine Ausstellung mit Häuserrundgang in Andelsbuch

Werkstatt von Johannes Mohr in Andelsbuch

Die Landschaften im Bregenzerwald sind von alter Bausubstanz geprägt: Klassische Bregenzerwälder Bauernhäuser mit der geschindelten Fassade reihen sich neben barocken Kirchen. Dazwischen finden sich vermehrt Bauwerke die Alt und Neu stilsicher kombinieren. Die Ausstellung „RundUmSanierung“ im Werkraumhaus in Andelsbuch gibt noch bis zum 21. Juni 2014 Einblick wie alte Bregenzerwälder Bausubstanz in neuem Glanz erscheint. Während des anschließenden Rundgangs durch Andelsbuch werden ausgewählte Objekte aus verschiedenen Epochen näher betrachtet.

Holz. Im Bregenzerwald wurde über Jahrhunderte hinweg grundsätzlich mit Holz gebaut. Dieser Rohstoff war zur Genüge vorhanden und die Kunst ihn zu verarbeiten seit Generationen etabliert. In der Nachkriegszeit begannen ,modernere‘ Baustoffe das Holz aus dem Hausbau zu verdrängen und ein neuer, sehr einheitlicher Haustyp hielt Einzug in die Dörfer. Einem kleinen Kreis an engagierten Architektur-Pionieren, Bauherren und kritischen Geistern ist das Entstehen der „Vorarlberger Bauschule“ zu verdanken. Als Gegenbewegung zur lokalen Engstirnigkeit in den 1960er Jahren begann diese umtriebige Szene den Lebensraum in Vorarlberg, besonders in architektonischer Hinsicht, aktiv zu gestalten. Im Bregenzerwald zog Leopold Kaufmann als einer der ersten Architekten die Aufmerksamkeit auf seine Bauwerke. Er entwickelte aus der Zimmermannstechnik unkonventionelle Holzbaukonzepte wie beispielsweise die Tennishalle bei uns im Hotel Post Bezau. Im Zuge der Klimaschutz-Debatte in den 1990er Jahren bekam die Rückbesinnung auf den Rohstoff Holz zusätzlichen Antrieb und somit auch das Wissen um seine Verarbeitung.

Glanz. Besonders der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat im Bregenzerwald einen Nachdenkprozess für die Verwendung der alten Bausubstanz in Gang gesetzt. Waren doch die Bregenzerwälder Häuser hochfunktional auf die Bedürfnisse der Landwirte ausgerichtet. Architekten und Handwerker der Region haben einen Weg gefunden, Altes mit Neuem respektvoll zu ergänzen, den Rohstoff Holz neu wertzuschätzen und traditionelles Handwerk mit neuem Wissen zu ergänzen.

Die Ausstellung wurde vom Andelsbucher Architekt Klaus Metzler zusammengestellt. Ausgewählten Objekte aus Andelsbuch werden anhand von Plänen, Geschichten, Bildern und Relikten im Werkraumhaus präsentiert und anschließend während eines Dorfrundgangs besichtigt.

Austtellung: Öffnungszeiten Dienstag bis Samstag 10–18 Uhr, Eintritt: EUR 5,–

Führungen durch Andelsbuch:
Spazierweg: Schau- und Wegzeit 1,5 Stunden (reine Wegzeit 45 Minuten), Kosten € 18.– pro Person (Eintritt zur Ausstellung im Haus inkludiert). Mindestanzahl 10 Personen. Auf Wunsch mit Mittagessen in der Werkraum Wirtschaft.
Wanderweg: Schau- und Wegzeit 4 – 5 Stunden (reine Wegzeit 2,5 Stunden, gutes Schuhwerk!), Kosten € 35.– pro Person (Mittagessen& Eintritt zur Ausstellung im Haus ist inkludiert), Mindestanzahl 10 Personen.

Details: http://werkraum.at/rundumsanierung-fuhrungen/

Unser Tip: Am 23. Mai 2014 um 18 Uhr erzählt Ferdinand Kohler, Altbürgermeister von Andelsbuch, über die an der Ausstellung beteiligten Häuser: Entstehung, Besitzer, Erbauer – ein Einblick in örtliche und regionale Bau- und Sozialgeschichte.


Alt Jetzt Neu

Die Architektur als Zeitmaschine

KW17_architekturtage

Alte Säge Bezau

Das Vorarlberger Programm zu den Architekturtagen 2014 am 16. und 17. Mai 2014 setzt die Zeit in den Mittelpunkt. Architektur als Zeitmaschine: Die Renaissance von alter Bausubstanz, der Trend zum Umbauen und aus Altem Neues entstehen lassen. Ein Perspektivenwechsel um Zukünftiges auszuloten. Während den zwei Tagen finden Zeitreisen zu Häusern und Plätzen statt – größtenteils bei uns im Bregenzerwald.

Alt. Die Ortsbilder und Landschaften des Bregenzerwaldes sind von ihnen geprägt und über 1000 von ihnen werden von älteren Personen bewohnt, stehen leer oder sind ganz vom Verfall bedroht – die traditionellen Bregenzerwälder Bauernhäuser, deren Zukunft eine ganze Region bewegt. Am 17. Mai steht das Gasthaus Krone hier bei uns in Bezau im Mittelpunkt. Ein Juwel im Dornröschenschlaf. Nachmittags findet ein Rundgang mit Besitzerin Annelies Weitert statt.

Zeitreise. Inspiriert von Altem und Neuen lassen Alfred Vogel (Instrumente) und Norbert Mayer (Wort) bei ihrem Konzert im Gasthaus Krone „Ü: I dor Krono“ eine überraschende Soundlandschaft entstehen. Beide überzeugen mit ihrer unbändigen Lust am Wort (Dialekt!) und Instrument. Die leichtfüßige Improvisation ist gehaltvoll und kritisch in der Betrachtung von Alt Jetzt Neu. Details: http://www.architekturtage.at/2014/event.php?item=8481

Jetzt. Während einer Abbau-Performance mit geräuschlosen Werkzeugen, erläutern Ihnen die Architekten Thomas Mennel und Klaus Pfeiffer mit Zimmerleuten der Region ein altes Wälderhaus. Gemeinsam lüften Sie Geheimnisse des alten Hauses und lernen Architektur und Handwerkskunst hautnah kennen. Ein Lehrbeispiel und eine einmalige Gelegenheit zum Verständnis dieser besonderen Architektur. Die Location wird am 1. Mai 2014 auf www.architekturtage.at bekannt gegeben.

Zukunft. International bekannte Star-Architekten haben in der kleinen bregenzerwälder Gemeinde Krumbach sieben Bushaltestellen gestaltet. Ein Zeitzeichen für ein neues Mobilitätsverhalten und Aufbruch zu neuen Horizonten. Zwei geführte Bustouren laden zum Erleben des BUS:STOP-Projektes ein.  Laut nachgedacht wird während den Architekturtagen im Werkraumhaus in Andelsbuch. Vor allem über Bauen im Bestand – wenn Architektur zur Ressource wird. Es sprechen und denken unter anderem die Architekten Roland Gnaiger, Hermann Kaufmann, Georg Bechter uva.  Details: http://www.v-a-i.at/index.php?option=content&task=view&id=822

Unser Tip: Während den Architekturtagen 2014 finden zahlreiche Rahmenveranstaltungen statt. Lernen Sie Architektur vor Ort kennen – in den zahlreichen renovierten Gasthäusern oder kommen Sie bei Kaffee und Zopf im Bezauer Atelier Foto Hiller mit den Architekten Leopold Kaufmann, Sven Matt und Markus Innauer ins Gespräch.

Das ausführliche Programm finden Sie hier: http://www.v-a-i.at


Schnörkellos

Leopold Kaufmann‘s Holzarchitektur besticht durch ihre Reduziertheit

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Tennishalle Hotel Post Bezau

Nicht nur in Vorarlberg wird der Name Kaufmann mit Architektur, dem Hotel Post Bezau und dem Bregenzerwald im Allgemeinen verbunden. Die bregenzerwälder Familie steht seit Generationen für eine zukunftsweisende Mischung aus Tradition und Moderne im idyllischen Alpental. Architekt Leopold Kaufmann ist ihr Wegbereiter.

Holz. Leopold Kaufmann zählt zur ersten Generation der Vorarlberger Baukünstler – einer Bewegung, die sich abseits von Akademien und Hochschulen – des bürokratischen Establishments – formierte. Es waren die 1960er Jahre, als Leopold Kaufmann von seinem Studium an der Technischen Universität Graz in den Bregenzerwald zurückkehrt. Nach Graz hatte ihn sein Vater nach dem Abschluss der Zimmermanslehre entsendet, damit nicht zu viele Männer der Kaufmann-Familie im Holzgewerbe tätig werden. Damals war er einer der wenigen Architekten in Vorarlberg.

Aufruhr. Zu einem seiner ersten Projekte zählte die Renovierung der Jakobus-Kirche in Reuthe. Inspiriert und voller Ideen – Bauhaus gab zu dieser Zeit die Richtung klar vor -hat Kaufmann quasi die ganze Kirche ausgeräumt: Er entfernte den Pseudomarmor, ein Gipsgemisch welches die Holzkonstruktion verkleidete, anderes Steinimitat und somit auch die „Schnörkel“ der Kirche. Es herrschte Aufruhr im Dorf. Kaufmann konnte jedoch die Arbeiten erfolgreich zu Ende bringen. Bald sollte er die ersten Wettbewerbe gewinnen.

Lebenswerk. Als gelernter Zimmermann begann Kaufmann aus der Zimmermannstechnick weiterentwickelte zukunftsweisende Holzbaukonzepte umzusetzen. 1976 baute er den Gasthof seiner Frau um – das Hotel Post Bezau. Ende der 1980er Jahre wurde das Gebäude durch die abgesenkte Tennishalle ergänzt, deren Holzkonstruktion einmalig ist. Wenig Jahre später stellt er 1992 auf der Biennale in Venedig aus. In die Renovierungsarbeiten des Kloster Bezeau ist er bis heute involviert.

Seine schnörkellosen, pragmatischen Projekte haben die Holzarchitektur in Vorarlberg nachhaltig geprägt. Leopold Kaufmann lebt und arbeitet in Bezau.

Ausgewählte Projekte:
Volksschule Reuthe 1960-63 (mit B. Haeckel und H. Eisentle); Haus Schelling, Dornbirn 1974; Altersheim Götzis 1980; Bildungshaus im ehemaligen Kapuzinerkloster Bezau 1983; Kindergarten Forach-Dornbirn 1884; Rüfikopfbahn, Lech 1987-88; Tennishalle Bezau (mit H. P. Jehly) 1989; Hangbrücken Wilden-Arlberg 1989-91; Aufbahrungshalle Hard 1991; Kindergarten Bludesch 1992-93; Karrenseilbahn Dornbirn 1995-96; Golmerbahn Schruns 1995; Haus Moosbrugger, Dornbirn 1996


Tradition und Moderne

Die Bregenzerwälder Architektur vereint Altes mit Neuem

Der Einklang von Altem und Neuem ist im Bregenzerwald in vielerlei Facetten zu spüren. Am deutlichsten wohl in der Architektur. Alte Bregenzerwälder Häuser, moderne Bauten oder eine Kombination aus beidem fügen sich harmonisch aneinander. Gemeinsam ist ihnen auf den ersten Blick das Material – Holz. Und auf den zweiten Blick, die hohe Funktionalität.

Bregenzerwälder Haus

Tradition. Das klassische Bregenzerwälder Haus ist ein Einhof – ein Blockbau aus Holz, der Wohnraum, Vieh- und Vorratshaltung sowie die Geräteaufbewahrung vereint. Sprossenfenster, deren Bretterläden von den obligaten „(Gado)ladolällar“* zurückgehalten werden und Holzschindeln prägen die Fassaden und schützen vor Wind und Wetter. Nach wie vor prägt diese Hausform die Landschaft des Bregenzerwald und war auch auf der österreichischen 100-Schilling-Note zu sehen.

Badehaus Hotel Post Bezau

Moderne. Bäuerliche Sachlichkeit und höchste Handwerkskunst sind die Charakteristika der Bregenzerwälder Architektur. Damals wie heute. Aus der Sachlichkeit wurde der schlichte, reduzierte Baustil und die Verwendung es Rohstoff Holz bedarf einer hohen Handwerkskunst. Neben der heimische Fichte und Tanne sind die Architekten ganz von der Weißtanne mit ihrem hellen, harten Holz angetan. Einst als sehr widerspenstig verrufen hat sie doch Einzug in viele Häuser und Stuben gehalten.

Beim Bau unserer Tennishalle hat Architekt Leopold Kaufmann (Vater von Susanne Kaufmann) Holz bereits unkonventionell und hochfunktional eingesetzt. Bei den späteren Erweiterungsbauten zum Hotel Post setzte Sohn Oskar Leo Kaufmann Holz harmonisch als dominierenden Rohstoff ein. Jedes andere Material, wäre ja ein wenig fehl am Platz, bei uns im Bregenzerwald.

Unser Tip: Schauen Sie bei Ingo Metzler in Egg vorbei. Dort trifft modernste Architektur auf Stallbauten aus Holz und die klassische Bregenzerwälder Hausform. Zudem werden dort die Produkte von Susanne Kaufmann organic treats hergestellt. Spaziergänge durch Hittisau mit einem Abstecher im Frauenmuseum oder durch Schwarzenberg mit dem Angelika Kauffmann-Saal und den traditionellen Häusern am Dorfbrunnen zeigen die Harmonie von Tradition und Moderne.

*Gadoladolällar (Elternschlafzimmerfensterladenoffenhalter)

 

 


Ein Haus für‘s Handwerk

Werkraum Haus wird am 5. Juli 2013 eröffnet

Modellansicht vom Werkraum Haus

In Andelsbuch, nur ein paar Fahrminuten von Bezau entfernt, wird dem Bregenzerwälder Handwerk ein Haus gebaut. Iniziiert vom Werkraum Bregenzerwald, einem Zusammenschluss von Bregenzerwälder Handwerksbetrieben. Architekt ist Peter Zumthor, der vom Bregenzerwald und seinen Handwerksbetrieben spätestens seit dem Bau des Kunsthaus Bregenz tief überzeugt ist. Eröffnet wird das Haus am 5. Juli 2013. Es wird als Showroom und Versammlungsort gleichermaßen dienen.

Haus. Architekt Peter Zumthor bringt in seinem Entwurf zwei Gedanken zum Ausdruck: Das Werkraum Haus wird sowohl Versammlungsort für den Verein wie auch eine „Vitrine“ für die Handwerkskunst. Das ausladende Dach und die zurückgesetzte Fassade ziehen schon jetzt die Blicke auf sich. Das Werkraum Haus wird mit seiner 700 Quadratmeter großen Halle zu einer Begegnungsfläche für Handwerk und Kundschaft. Offen und flexibel bespielbar vereint es die Funktionen Ausstellen, Bilden, Kommunizieren und Verwalten.

Handwerk. Nirgendwo in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Handwerksbetrieben wie im Bregenzerwald. Fast die Hälfte aller Berufstätigen sind in Handwerksbetrieben beschäftigt. Die Fertigkeiten und die hohe Qualität der Arbeiten werden international geschätzt – für deren Erhalt setzt sich der Werkraum Bregenzerwald ein. Handwerk und das Erlernen von Handwerksberufen hat inzwischen wieder einen hohen Stellenwert erhalten. Und der strenge Fokus auf Qualität in jeder Hinsicht macht das Arbeiten, Produzieren und Leben im Bregenzerwald attraktiver denn je.

Das Werkraum Haus ist ab dem Sommer 2013 ganzjährig geöffnet. Informationen zu den Mitgliedsbetrieben und zur Tätigkeit des Werkraum Bregenzerwald finden Sie hier: www.werkraum.at

Übrigens: Bei uns im Hotel Post Bezau wurde der Großteil der Umbauarbeiten von Werkraum Betrieben vorgenommen.


Handwerk+Form

Betonvorhang memux; Anerkennungspreis 2006

Schon vor einigen hundert Jahren war sie bekannt, die Bregenzerwälder Handwerkskunst. Über die Landesgrenzen hinweg schuf die Auer Baumeisterzunft barocke Kirchen und Klöster. Heute steht die international anerkannte und gefragte Handwerkskunst für formschöne und zweckmäßige Objekte, Gegenstände und Häuser. Seit 1991 stellen sich die bregenzerwälder Handwerksbetriebe im 3-Jahres-Rhythmus einem Wettbewerb. Gemeinsam mit in- und ausländischen Architekten und Designern werden Werkstücke entwickelt: Die Synthese von Handwerk+Form.

Ausstellung. Der kleine bregenzerwälder Ort Andelsbuch wird an zwei Wochenenden im Oktober kurzerhand zur Ausstellungsfläche für die Einreichungen des Wettbewerbs. Als Ausstellungsräumlichkeiten fungieren alte Werkstätten, vorbildlich sanierte Häuser oder gar eine alte Mühle. So wird der Ausstellungsbesuch gleichzeitig zu einem Dorfrundgang und zu einer Reise durch die Geschichte des bregenzerwälder Handwerks.

Gemeinschaft. Hinter dem Wettbewerb Handwerk+Form stehen mehr als 95 bregenzerwälder Handwerksbetriebe, vereint im Verein „Werkraum Bregenzerwald“. Sie ermöglichen, dass das Handwerk weiterlebt. Geschlossen verfolgen sie ein Ziel: Die Anhebung der Arbeits-, Produkt- und Lebensqualität in der Region.

Werkraum-Haus. Nirgends in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Handwerksbetrieben. Die Mitgliedsbetriebe des Werkraums haben nun die Initiative ergriffen und bauen dem Handwerk ein Haus – das Werkraum Haus. Architekt ist kein geringerer als Peter Zumthor, von Region und Handwerksbetrieben spätestens seit dem Bau des Kunsthaus Bregenz überzeugt. Der Rohbau bildet den Rahmen für die handwerkliche Festwoche.

www.werkraum.at

Handwerk+Form 2012
Ausstellung in Andelsbuch:
Samstag 13.10. & Sonntag 14.10.2012,
Freitag, 19.10. bis Sonntag 21.10.2012
jeweils 10-18 Uhr
Ausgangspunkt: Bahnhofsplatz Andelsbuch